Aussage

Das Brettspiel „Komm gut nach Hause“ war der Beginn des Projekts „Das ist kein Spiel mehr“. Ursprünglich war das Brettspiel einfach nur als Protest gedacht, in dem die Ausmaße von Belästigung im öffentlichen Bereich und deren Normalisierung dargestellt werden sollten.

Beim Testspielen ist jedoch immer wieder aufgefallen, dass das Brettspiel ein guter Conversation Starter sein kann. Zum einen werden Menschen, die nicht häufig von Belästigung betroffen sind, dazu angehalten zu reflektieren, wo sie selbst vielleicht gefährlich auf andere wirken und welche Privilegien das bedeutet ohne Hintergedanken in eine Bahn einzusteigen zu können. Auch Betroffene kamen häufig in ein Gespräch über lokale Anlaufstellen und eigene Strategien mit Belästigungssituationen umzugehen. Wir haben also bei der Entstehung schon festgestellt, dass ein Brettspiel eine Möglichkeit sein kann auf problematische Strukturen hinzuweisen und trotzdem auch für Betroffene einen Raum zu schaffen, um sich gegenseitig zu supporten.

Unser Spielformat betont vor allem das Strategie- und Regelsystem, das sich in der Realität entwickelt hat: Betroffene können ohne lange nachzudenken häufig mehrere Strategien nennen, um sich nachts in der U-Bahn vor Übergriffen zu schützen. Leider vermittelt ein Spielformat aber auch schnell ein falsches Gefühl von Verantwortlichkeit der Betroffenen. Statt zu hinterfragen, warum das Spiel so funktioniert und warum Menschen belästigen, wird angedeutet, dass Betroffene durch ihre aktive Rolle innerhalb des Spielkontexts eine Art Kontrolle über die Situation hätten und sich selbst vor Übergriffen schützen könnten. Wir haben daher das Score System bewusst so ausgelevelt, dass Betroffene deutlich seltener ‚gewinnen‘ können. Damit zeigen wir, dass es hier nicht um das Vermitteln eines Handlungsspielraums für Betroffene geht. Es ist ein Protestruf, der die Realität vereinfacht darstellt und die Dimensionen der Kultur aufzeigt, in der Gewalt und Belästigung eingebettet sind.

Wir versuchen auch Weiterhin in unserer Aussage eine gute Balance zu finden zwischen einem „Fuck you“ an alle, die denken „Das ist ja nicht mein Problem“ und einem sinnvollen Serious Game für eine gemeinsame, gesellschaftskritische Diskussion.

zurück